Island – auf der Jagd nach Polarlichtern
Im Winter auf die raue Insel im Nordatlantik? Und das als erste Reise mit Studiosus? Die Journalistin Marianne Schwarzer war privat mit uns unterwegs – und ist begeistert zurückgekommen. Ein Reisebericht.
Eine Gruppenreise? Für eingefleischte Individualtouristen wie uns beide, 60, seit Kindertagen Camper, eigentlich nicht vorstellbar. Aber ein faszinierendes Land wie Island im Bannkreis von Feuer und Eis, das wollten wir uns doch von jemandem zeigen lassen, der sich dort auskennt. Die Wahl fiel auf Studiosus. Kleiner Spoiler: Die neun Tage Anfang Februar sollten zu den schönsten werden, die wir auf Reisen jemals erlebt haben.
Als unser Flugzeug am späten Nachmittag am Flughafen Keflavik aufsetzt, ist die Dämmerung schon hereingebrochen. Auf die Münchner Maschine müssen wir noch warten, damit die 22-köpfige Gruppe komplett ist und vor allem Caroline Höckmayr dazustößt. „Die Maschine aus München kommt meistens zuletzt“, sagt Busfahrer Hlynur mit jenem Gleichmut, der bei den 400.000 Inselbewohnern anscheinend eine Überlebensstrategie ist. Was stört da schon ein verspäteter Flug, wenn hier jederzeit ein Vulkan ausbrechen kann oder das Eiland sich unter einem Schneesturm ducken muss?
Unerschrockener Busfahrer
Es wird diese sichere Gelassenheit sein, die den Mann am Steuer unseres Reisebusses in den nächsten Tagen auch knifflige Situationen wie jenen Blitzeiseinbruch mit spiegelglatter Fahrbahn locker meistern lässt. Der stille Isländer Hlynur lebt hier und weiß, was er tut – anders als manch leichtsinnige Katastrophenfahrer, die in ihren Mietautos gerne mal hilflos am Straßenrand stranden.
Caroline Höckmayr kann ein Lied davon singen: „Ich habe hier eine ganze Zeit lang gelebt, und ich liebe dieses Land“, werden wir von dem urbayerischen Original mit dem trockenen Humor noch am selben Abend erfahren. Unzählige Reisegruppen hat sie schon durch Island geführt. Sie kennt hier Hinz und Kunz – von der Kapitänin des Inlandsfluges, die über Akureyri eine Extrarunde für die Gruppe dreht – bis hin zum Personal der verschiedenen meist ausgezeichneten Hotels auf dieser Reise.

Es ist wohl auch diese Island-Liebe der Bajuwarin, die bei den Einheimischen verfängt. Das Fosshotel in Reykjavik hat eigens früher die Winterpause beendet, damit die Studiosus-Gruppe hier einchecken kann.
Reykjavik im Winter
Es ist längst dunkel, aber der erste Gang durch die Stadt und zum Meer lohnt sich auf alle Fälle. „Heute Abend werden wir wohl noch kein Glück haben mit dem Nordlicht“ – die Reiseleiterin hat die einschlägigen Apps stets im Blick. „Aber ich verspreche, sobald sich was tut, sage ich Bescheid, selbst wenn es mitten in der Nacht ist.“
Das nächtliche Reykjavik hat auch ohne Nordlicht seine Reize, die malerischen Holzhäuser der Altstadt sind schön illuminiert und über allem thront die beeindruckende Hallgrimskirkja, die nachts prächtig angestrahlt ist. Ihr werden wir beim Stadtrundgang tagsüber näherkommen.
Fast wirkt die isländische Hauptstadt wie eine Kleinstadt, es geht beschaulich zu in den Gassen. Denn nun, im Winter, fehlen die Touristenmassen des Sommers. Zeit genug, im Nordlichtzentrum der Aurora Borealis näherzukommen, schon mal zu lernen, welche Einstellungen Handy und Kameras brauchen, um die tanzenden bunten Lichter auch auf die Platte zu bannen.
Draußen wirft die Sonne ein warmes Licht auf die Vulkanlandschaft im Hintergrund und lässt die Harpa funkeln und strahlen. Das weltberühmte Konzerthaus besticht mit einer beeindruckenden Glasfassade. Die wabenartige Struktur bricht das Licht aus jedem Winkel anders, und keine Kamera, kein Handy bleibt hier ungezückt.

Und so wird es während der gesamten Reise auf dieser rauen Insel bleiben: Wir alle können uns den Eindrücken kaum entziehen, die fast hinter jeder neuen Kurve auf die Reisegruppe warten. Apropos Gruppe: Unsere Bedenken sind bereits am ersten Tag verflogen: Die Gruppe ist bunt gemischt, es sind diverse „Wiederholungstäter“ dabei, und insgesamt erleben wir ein recht harmonisches Miteinander.
Magische Landschaften
Die Reiseleiterin versteht es, alle beisammenzuhalten, und sie wird nicht müde, uns die einzigartige Schönheit dieses geheimnisvollen Landes zu zeigen. Vor Sonnenaufgang geht es los durch eine verschneite Landschaft, dunkle Kraterwände bilden einen reizvollen Kontrast zu den leicht errötenden Schneeflächen am Horizont. Dann hat die Sonne sich über selbigen geschoben und wirft ihr goldenes Licht auf eine gespenstisch anmutende Fläche.
Hier scheint die Erde zu brodeln, grau blubbern Tümpel, stoßen Dämpfe aus. Es riecht nach faulen Eiern, schwefelig wie in einer Hexenküche. Die faszinierende Szenerie würde auch eine prächtige Kulisse für den Weg der Hobbits nach Mordor aus Tolkiens „Herr der Ringe“ abgeben.
Die isländische Winterwelt ist magisch. Wir besuchen Godafoss, den Wasserfall der Götter. Erneut sind wir früh unterwegs, und während die tosenden Wassermassen über erstarrte Eisgiganten strömen, schiebt sich die Sonne langsam empor. Timing ist alles bei einer solchen Reise, und das hat Reiseleiterin Caroline Höckmayr offensichtlich drauf. So weiß sie auch, wo ein außerplanmäßiges Ziel lohnt: „Hat jemand Lust, mit mir Johanna zu besuchen?“
Exklusives Höhlenerlebnis
Was sich dahinter verbirgt und was uns dort erwartet – ihr geheimnisvolles Lächeln ist so ziemlich die einzige Antwort. Hlynur kutschiert den Bus auf eine Farm irgendwo im Nirgendwo. Zwischen Wohnhaus und Schafstall geht es ein paar Stufen hinab, durch ein Holztor in eine gigantische Höhle. „Die haben vor Hunderten von Jahren Menschen gegraben“, erzählt Hausherrin Johanna. Möglicherweise diente sie dem Schutz vor marodierenden Piraten an der isländischen Küste, vielleicht vor den Urgewalten der Natur im Winter, Zuflucht für Islandpferde und die Schafe. „Keine der Theorien ist bis jetzt richtig schlüssig.“ Kerzen weisen uns den Weg in das verzweigte System mit den hohen Decken, an der Wand sind Runen eingeritzt, deren Bedeutung die Wissenschaft ebenfalls noch nicht enträtselt hat.
Wir gehören zu einem kleinen exklusiven Kreis von Menschen, die das Glück haben, diese Räume zu betreten. Ein kleines Juwel jenseits des Massentourismus. Unser Besuch sei eine der wenigen Ausnahmen, der Freundschaft zwischen Reiseleiterin und Landwirtin zu verdanken. Im Vorraum gibt es darauf einen leckeren Schnaps – und den berühmten fermentierten Hai, der gar nicht mal so schlecht schmeckt: Ein bisschen wie strenger, sehr reifer Camembert.
Beim Essen antwortet Johanna geduldig auf Fragen, erzählt vom Schulbus, der ihre Kinder in der bevölkerungsarmen Gegend einsammelt, und lässt uns später einen Blick in ihren Stall werfen, in dem sich jetzt, im Februar, die Schafe zusammenkuscheln. Johannas Alltag ist geprägt von harter Arbeit, und der Winter ist noch lange nicht vorbei.
Die Polarlichter bitten zum Tanz
Heute strahlt die Sonne, und die Chancen stehen gut, ihr endlich persönlich zu begegnen, Aurora Borealis, der magischen Königin isländischer Winternächte. Tatsächlich klingelt das Telefon in unseren Zimmern im Landhotel Hella nachts Sturm. Caroline ruft uns alle hinaus, und dann sehen wir sie tanzen, in Lila, in Grün, in Spiralen, in breiten Bändern. Dicke Klamotten über dem Schlafanzug, der Wind ist eisig, und die Finger vermögen die Kamera kaum zu bedienen. „Es fotografiert sich so schlecht mit Handschuhen“, sagt einer aus der Gruppe, die eisern durchhält. Eine verschworene Gemeinschaft, auch wenn die Augen am anderen Morgen tief in den Höhlen liegen. Die Reiseleiterin hat wohl am wenigsten Schlaf bekommen, harrt in der Hotelbar aus, bis all ihre Schäfchen wieder in den Zimmern verschwunden sind.
Natürlich gibt es keine Garantie, dass jede Reise eine solche Ausbeute an Nordlichtfotos mit sich bringt. Doch für die zwei Individualtouristen, die sich auf das „Wagnis“ der Studiosus-Gruppenreise eingelassen haben, ist das Fazit: Jederzeit wieder, vor allem mit einer solchen Reiseleitung.
Die Reise „Island – Nordlichtsafari im Winter“ können Sie noch im November erleben. Silvester auf der Vulkaninsel bietet kultimer, Eventreisen von Studiosus, an.
Sie möchten mehr über Reykjavik wissen? Im Studiosus-Podcast plaudert Reiseleiter Jan Eduard Augener über seine Lieblingsstadt.