„Ich liebe Führungen, bei denen wir Menschen treffen“
Tim B. Boroewitsch ist seit 2023 Reiseleiter bei Studiosus. Wie kam er zu Studiosus? Wo ist er am liebsten unterwegs? Und was macht er in seiner Freizeit? Zeit für ein paar Fragen …
Wie kamst du zu Studiosus?
Ich habe in Berlin Kunst- und Bildgeschichte mit Fokus auf Architektur und Stadtentwicklung studiert und bin schon immer leidenschaftlich und viel gereist. Bei zahlreichen Uni-Exkursionen war ich als Fahrer dabei und konnte gar nicht anders, als auf dem Weg Restaurants oder die schönste Straße bei Sonnenuntergang herauszusuchen. Als mir nach dem Studium eine befreundete Dozentin von Studiosus erzählte und sich die Stellenausschreibung wie mein Steckbrief las, habe ich es versucht und es hat sofort gepasst. Zu Frankreich kamen schnell die Inseln im Indischen Ozean hinzu und jetzt auch spanischsprachige Einsatzgebiete: Andalusien, Argentinien und Chile.
In welchem Land führst du am liebsten und warum?
Ich liebe all meine Einsatzgebiete, insbesondere weil sie sehr abwechslungsreich sind und ich jede Reise mit neuer Vorfreude und Energie antreten kann. Diese Abwechslung in den verschiedenen Gebieten und Jahreszeiten schätze ich sehr. In Andalusien fühle ich mich aber besonders zuhause. Wir sind dort in wunderschönen Städten direkt in den lebendigen Zentren untergebracht, ein guter Wein und ein hervorragendes Essen sind nie weit. Die Reisen sind angenehm aufgebaut, sodass ein kulturhistorischer Höhepunkt und ein Eintauchen in die andalusische Lebensart sich stets abwechseln. Dabei gehören die Werke maurischer Kultur für mich zu den schönsten und sinnlichsten Zeugnissen menschlichen Schaffens.
Gibt es eine „Lieblingsführung“ und warum gerade diese?
Ich liebe Führungen, bei denen wir Menschen vor Ort treffen, sei es auf einer Vanilleplantage auf La Réunion, im Olivenhain oder auf der Stierfarm in der Provence, beim Heiligenfigurenschnitzer in Córdoba oder bei den Gauchos auf der Estancia in Patagonien. Diese Begegnungen sind erkenntnisreich, authentisch und dabei wunderbar persönlich. Wenn ich spüre, wie die Gäste, aber auch ich, jedes Mal aufs Neue begeistert sind, die Augen funkeln und alle Sinne angesprochen werden, ist der Moment perfekt. Das sind auch oft Gelegenheiten, bei denen Themen, die auf den Reisen schon vorgekommen sind, so richtig einschlagen und eine Erkenntnis sich verfestigt.
Und wenn du dich entscheiden müsstest?
Wenn ich mich aber für eine Führung entscheiden müsste, wäre es vielleicht der Rundgang über die Union Estate, eine ehemalige Kokosnuss- und Vanilleplantage, auf La Digue (Seychellen). Dabei gibt es so viele erkenntnisreiche Momente und so viel für die Sinne. Als Reiseleiter erkläre ich, zeige ich, schäle aber auch die Kokosnüsse, öffne sie, um den Gästen das Kokoswasser zum Trinken anzubieten, kratze das Kokosfleisch aus, um Kokosmilch zu gewinnen – und später werde ich zum Aldabra-Riesenschildkröten-Fütterer, bevor die Gäste zum schönsten Strand der Welt zur Badepause gehen, zur Anse Source d'Argent mit ihrem türkisenen Wasser, dem weißen Sand, den grünen Palmen und Jahrmillionen alten märchenhaft abgeschliffenen Granitfelsen. Es ist ein Rundgang für alle Sinne, bei dem allerdings auch ernste und dunkle Themen wie die Sklavenwirtschaft nicht ausgespart werden dürfen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Reisen. Je mehr man reist, desto mehr möchte man ja noch sehen – vielleicht eine Berufskrankheit. Deshalb bin ich privat auch viel unterwegs.
Aber manchmal bist du auch zuhause in Berlin?
Vor einigen Jahren habe ich in einer stillgelegten Hofdurchfahrt zuhause in Berlin eine Bar eingerichtet, die sich dann zum Treffpunkt, zum Salon und zum Ausstellungsraum entwickelt hat. Mittlerweile sind wir seit fünf Jahren ein eingetragener Kunstverein und führen regelmäßig Veranstaltungen durch, machen liebevolle, spaßige Ausstellungen, kürzlich etwa die Eggsibition mit Werken rund ums Ei oder eine internationale Gruppenausstellung mit Open Call, bei denen 111 Künstlerinnen und Künstler aus der Türkei, Kenia, Berlin und vielen anderen Orten jeweils eine Arbeit im A4-Format zeigten. Dabei kommen Menschen zusammen, wir haben eine gute Zeit und tun etwas Gutes für die Gemeinschaft. Außerdem bin ich aktiv im Havelland bei einem anderen Kunstverein mit Galerie, Skulpturenpark, Ufercafé und Gästehaus. Neben der kuratorischen Tätigkeit steuere ich dort besonders gern die Boote durch die märkischen Kanäle. Ich sitze aber auch gerne einfach mit einem Gläschen Wein in guter Gesellschaft im Garten und führe ein anregendes Gespräch oder denke über die schönen Erlebnisse auf Reisen nach.
Vielen Dank für den spannenden Einblick!
Wenn Sie mehr über Tim B. Boroewitsch erfahren möchten: Studiosus hat ihn während seiner Ausbildung zum Reiseleiter mit der Kamera begleitet. Film ab!